Aufklärung der Öffentlichkeit

Interview mit dem Internisten und Gastroenterologen Professor Dr. Jürgen Ferdinand Riemann, Ludwigshafen, der sich neben seiner ärztlichen Tätigkeit mit viel persönlichem Engagement für die Aufklärung der Öffentlichkeit einsetzt.

Wie sieht Ihrer Meinung nach ein gutes Früherkennungssystem für Darmkrebs aus?

Prof. Riemann: Dazu gibt es eindeutige Aussagen. Sie richten sich nach den Evidenz-Graden entsprechender Studien. An erster Stelle steht unbestritten der Test auf nicht-sichtbares Blut im Stuhl. Er hat mit Ia die höchste Evidenz aufgrund mehrerer gut geplanter Langzeitstudien. Allerdings ist der Stuhlbluttest kein Krebstest. Er kann auch bei anderen Erkrankungen des Verdauungstrakts positiv werden. Ideal wäre die Koloskopie einmal im Leben, etwa mit 50 Jahren, die so genannte Screening-Koloskopie. Der Evidenzgrad dieser Empfehlung ist deutlich niedriger. Die Koloskopie ist aber die einzige Untersuchungstechnik, die im gesamten Dickdarm zuverlässig Darmkrebs früh erkennt und vor allem auch dessen Vorstufen, die Polypen. Die Koloskopie ermöglicht zudem Diagnose und Therapie in einem Arbeitsgang. Polypen können gleich abgetragen werden.

Was ist also die Zielsetzung für die Zukunft?

Prof. Riemann: Es sind alle Anstrengungen erforderlich, durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit über alle erreichbaren Medien den Menschen zu überzeugen, dass sich der TÜV nicht nur für sein Auto, sondern auch für ihn lohnt. Darmkrebs macht erst Symptome, wenn er fortgeschritten ist. Die Annahme ist irrig, weil ich keine Beschwerden habe, kann ich auch keinen Krebs haben. Die Chance liegt in der Erkennung der Vorstufen und der frühen Formen des Krebses. Mit dem Stuhlbluttest und der Koloskopie stehen zwei effektive Verfahren zur Verfügung. Außerdem ist natürlich alles, was getan werden kann, um den Krebs zu vermeiden, besser als das, was danach kommt.

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