Darmkrebs - Was ist das?

In Europa ist Deutschland das Land mit den meisten Erkrankungen an Darmkrebs. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung befinden sich die Tumoren bei etwa 50 Prozent der Patienten schon in einem fortgeschrittenen Stadium. Werden die Warnzeichen rühzeitig (z. B. in Stadium I oder II) erkannt und beachtet, können Patienten heute dank neuer Therapien und Behandlungsmöglichkeiten zunehmend erfolgreich behandelt werden. In den letzten 10 Jahren sind die Sterberaten bei beiden Geschlechtern um mehr als 20 % gesunken. Heute liegt die relative 5-Jahres-Überelbensrate für beide Geschlechter bei 63 %.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 69.000 Menschen an Darmkrebs. Selten vor dem 40. Lebensjahr, dann aber stark zunehmend und mit der größten Häufigkeit im Alter von etwa 75 Jahren.

In der Krebsstatistik kommt der Darmkrebs in Deutschland an zweiter Stelle - und zwar sowohl bei Männern (hinter dem Prostatakarzinom) als auch bei Frauen (nach dem Brustkrebs).

Dass Darmkrebs trotzdem zu den Erkrankungen mit einer großen Chance auf Heilung zählt, klingt zunächst beruhigend. Doch der Krebs wächst heimtückisch. Deutliche Beschwerden treten in der Regel erst im fortgeschrittenen Stadium auf, mit diffusen Schmerzen, unklaren Verdauungsstörungen wie Obstipation (Stuhlverstopfung), Diarrhöe (Durchfall) oder mit Blut im Stuhl. Ärzte und Wissenschaftler, aber auch zunehmend Prominente, setzen sich daher für eine bessere Früherkennung ein.

Fehlernährung als Hauptursache

Obwohl in den meisten Fällen keine einzelne Ursache genannt werden kann, gelten mehr als bei anderen Krebserkrankungen Fehler in der Ernährung als Auslöser: Zu viel Fett und Fleisch, zu wenig Gemüse, zu viel Alkohol und Zigaretten. Dagegen scheint körperliche Bewegung das Risiko für Kolonkarzinome (Kolon = Teil des Dickdarms) zu mindern.

Trotzdem gibt es nicht beeinflussbare Faktoren. Bei etwa 10 Prozent der Patienten liegt eine familiäre Veranlagung vor, die sich oft schon früh durch eine krankhafte Bildung von Polypen bemerkbar macht. Entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa (Entzündung des Dickdarms) und Morbus Crohn (Autoimmunerkrankung der Darmschleimhaut) erhöhen das Risiko ebenfalls.

Fast immer Dickdarm- oder Rektumkarzinome

Medizinisch wird beim Darmkrebs vom „kolorektalen Karzinom" gesprochen. Denn etwa zwei Drittel aller Erkrankungen treten im 1,5 bis 2 Meter langen Dickdarm auf, ein Drittel im Rektum, dem nur etwa 20 Zentimeter langen Mast- bzw. Enddarm. Bösartige Veränderungen des vier bis fünf Meter langen Dünndarms oder des Zwölffingerdarms sind dagegen extrem selten.

Die meisten Kolonkarzinome entstehen aus gutartigen Darmpolypen (ca. 90 Prozent) und entwickeln sich fünf bis zehn Jahre nach deren Entstehung. Deshalb ist die Entdeckung solcher Wucherungen sehr wichtig.

Ein Darmkarzinom kann über die Lymphe und das Blut in die Darmwand metastasieren, in die Leber und Lunge. Tiefsitzende Rektumkarzinome können auch direkt in die Lunge ausstreuen. Relativ häufig entwickeln sich Hirnmetastasen.

Späte Symptomatik

Die Karzinome von Kolon (Dickdarm) und Rektum wachsen langsam. Bis zum Auftreten der ersten Symptome können annähernd fünf Jahre vergehen. Ein Teil der Symptome wird auch vom Sitz des Primärtumors bestimmt. Im fortgeschrittenen Stadium verspüren die Betroffenen Schmerzen nach dem Essen, Krämpfe im Unterbauch und gegebenenfalls Durchfälle, die der passageren Obstipation folgen (Überlaufstuhl). Gleichzeitig sind gehäuft Frischblutauflagen auf dem Stuhl zu beobachten.

Fehleinschätzungen beim Rektumkarzinom

Das Rektumkarzinom kann mit Verstopfung und veränderten Stuhlgewohnheiten wie Durchfällen oder Tenesmen (schmerzhafte Stuhlentleerung) einhergehen. Bei Tenesmen handelt es sich um kontinuierlichen Stuhldrang, ausgelöst durch rektales Völlegefühl bei einem großen Tumor. Windabgänge mit Schleimentleerungen können entstehen. Analschmerzen deuten auf eine tumoröse Invasion des Analkanals hin. Durch den Befall der Harnblase, der Vaginalwand oder des Kreuzbeins können zusätzlich Damm- bzw. Kreuzbeinschmerzen auftreten.

Obwohl das Rektum gut zugänglich und diagnostizierbar ist, wird das Rektumkarzinom oft verkannt. Beschwerden werden zum Beispiel als Hämorrhoiden fehlgedeutet. Bei allen analen Blutabgängen und bei Änderungen des Stuhlverhaltens über zwei bis drei Wochen muss so lange von einer bösartigen Erkrankung ausgegangen werden, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Früherkennung

Im Rahmen der Darmkrebsprävention besteht ab dem 50. Lebensjahr jährlich ein Anspruch auf Früherkennungsuntersuchungen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten des Hämoccult-Tests; zusätzlich wird der Enddarm durch eine Tastuntersuchung kontrolliert.

Ab dem 55. Lebensjahr werden die Kosten einer Darmspiegelung übernommen, die dann im Abstand von 10 Jahren wiederholt werden sollte. Treten verdächtige Darmbeschwerden auf oder besteht ein erbliches Risiko, werden die Kosten einer Darmspiegelung unabhängig vom Alter übernommen und sollten - gerade bei erblichem Darmkrebs auch engmaschig durchgeführt werden.

 

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